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Vergleich und Bewertung internationaler Mautkonzepte für den LKW-Fernverkehr

Treiber, Patrick (2012):
Vergleich und Bewertung internationaler Mautkonzepte für den LKW-Fernverkehr.
TU Darmstadt, [Online-Edition: https://www.verkehr.tu-darmstadt.de/media/verkehr/fgvv/beruf...],
[Seminar paper (Midterm)]

Abstract

Seit Jahrhunderten kommen zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur Bepreisungssysteme zum Einsatz, die seitdem immer weiter modifiziert und technologisiert wurden. Aus dem Wegezoll der Geschichte sind teils hoch-technisierte Systeme mit kilometergenauer Erfassung zurück gelegter Strecken entstanden, die verursachergerechte Anlastung der Kosten, effizientere Auslastungen und ökologische Aspekte als sogenannte externe Effekte bewirken können. Doch nicht alle Länder der Welt nutzen diese Möglichkeiten, so dass im Rahmen dieser Vertieferarbeit eingesetzte System verglichen und bewertet werden sollen. Zunächst wird dabei generell das System Maut in seinen Auswirkungen, Wirkungsbereichen und Einsatzzwecken beleuchtet. Als Teil des Mobility Pricings und Form eines Road-Pricing Ansatzes ist dabei vor allem der finanzielle Aspekt grundlegende Motivation zur Erhebung von Mautsystemen. Dabei unterscheiden sich die eingesetzten Systeme jedoch in verschiedenen Aspekten, so dass zusätzliche Ziele, vor allem aus den Bereichen Verkehrsmanagement und Umweltschutz anvisiert werden: Dabei haben die Ziele des Verkehrsmanagements neben den verkehrlichen Einflüssen bereits Effekte auf umweltspezifische Faktoren. So können Verkehrsvermeidungs- und –verlagerungsstrategien (Modal Split) neben den verkehrlichen Auswirkungen zur Verringerung von Emissionen (Lärm, Feinstaub, Co2) führen und bereits einen positiven Umwelteinfluss bewirken. Grundsätzlich werden diese Effekte durch die monetären Belastungen verursacht, die dabei nicht zwingend nutzungsabhängig sein müssen. Bei den zum Einsatz kommenden Systemen handelt es sich dabei voranging um nutzungs- oder zugangsbezogene Systeme. Bei nutzungsabhängigen Systemen (auch fahrleistungsabhängige oder streckentarifierte Systeme genannt) wird eine Anlastung der entstehenden Kosten auf die tatsächliche Nutzung der Infrastruktur sichergestellt und somit eine verursachergerechte Internalisierung erreicht. Bei zugangsbezogenen Systemen (zeittarifierte Vignettensysteme) wird dagegen ein Nutzungsrecht über einen bestimmten Zeitraum erworben, die tatsächliche Belastung der Infrastruktur jedoch nicht berücksichtigt. Neben den verschiedenen Erhebungsmethoden wird auch eine Unterscheidung der bemauteten Infrastruktur bzw. umfassender Fahrzeuge getroffen. Die Spannweite liegt somit zwischen netzweiten Systemen für alle Kraftfahrzeuge und LKW-Mautsystemen auf Autobahnen, welche Fokus dieser Arbeit sein sollen: Sollen neben den Finanzierungsaspekten vor allem auch die o.a. weiteren Effekte erreicht werden, kommen LKW-Maut Systeme zum Einsatz, die fahrleistungsabhängige Bepreisungen vorsehen. Diese sind dann nach Schadstoffklassen und zulässigem Gesamtgewicht der LKW gestaffelt. So findet einerseits die verursachergerechte Anlastung der Kosten, andererseits ein positiver Einfluss auf die Entlastung der Umwelt statt. Bei Systemen dieser Art wurden neben unternehmerischen Auswirkungen wie bspw. Flottenwechseln hin zu umweltfreundlicheren Fahrzeugen auch ein Verkehrsvermeidungsprozess durch bessere Auslastungsgrade und Tourenplanungen nachgewiesen. Da die fahrleistungsabhängige Erhebung zwar genauer, aber durch benötigte technische Infrastrukturen und Verwaltungsaufgaben deutlich kostenintensiver ist, kommen weiterhin auch zeittarifierte Vignettensysteme zum Einsatz. Auch diese können neben der finanziellen Anlastung der Kosten, die jedoch nur zum Teil nutzungsabhängig sind, weitere Effekte bewirken. So kann durch gestaffelte Basispreise bezüglich der spezifischen Fahrzeugkategorie ein positiver Einfluss auf die Umweltauswirkungen genommen werden. Aus Sicht des Verkehrsmanagement fehlt diesem System sowohl der signifikante Einfluss über den Modal-Split auf andere Verkehrsträger, der nur geringe Auswirkungen auf die straßengebundene Gesamtleistung hat, als auch Verkehrslenkungseffekte. Neben diesen Auswirkungen kann es bei einer Maut-Strategie bezogen auf das übergeordnete Straßennetz zu negativen Folgen für das untergeordnete Straßennetz durch „Mautflüchtlinge“ kommen, was als Ausweichverkehre bezeichnet wird. Diesen Effekt konnte man am Beispiel Deutschland sehr gut erkennen, so dass sukzessive bestimmte Strecken auf Bundesstraßen zum einen in das Bemautungssystem integriert oder durch LKW-Fahrverbote belegt werden. Diese Effekte fallen bei zeittarifierten Systemen dagegen deutlich geringer aus. Grundsätzlich bietet sich der Einsatz von Bemautung des übergeordneten Straßennetzes für LKW vor allem bei Ländern mit hohem Anteil an grenzüberschreitenden oder Transitverkehren an, um diese Nutzer an den anfallenden Kosten zu beteiligen. Die Ausarbeitung hat jedoch gezeigt, dass dessen Ausgestaltung durchaus durch länderspezifische Gegebenheiten unterschiedlich ausfallen kann. Zur Vorfinanzierung oder generellen Deckung der Infrastrukturkosten eignen sich demnach alle Systeme. Grundsätzlich empfiehlt es sich jedoch, eine fahrleistungsabhängige Bemautungsstrategie auf das gesamte Straßennetz unter Berücksichtigung möglichst vieler Staffelungsparameter zu wählen, um neben der Deckung (externer) Kosten auch die Umweltfolgen zu verringern und negative Auswirkungen auf Teilnetze zu mildern. Zudem kann auf dieser Basis der größtmögliche Einfluss auf das Verkehrsaufkommen und – verhalten genommen werden und somit bestmögliche Effekte des Verkehrsmanagements umgesetzt werden. Patrick Treiber Juli 2012

Item Type: Seminar paper (Midterm)
Erschienen: 2012
Creators: Treiber, Patrick
Title: Vergleich und Bewertung internationaler Mautkonzepte für den LKW-Fernverkehr
Language: German
Abstract:

Seit Jahrhunderten kommen zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur Bepreisungssysteme zum Einsatz, die seitdem immer weiter modifiziert und technologisiert wurden. Aus dem Wegezoll der Geschichte sind teils hoch-technisierte Systeme mit kilometergenauer Erfassung zurück gelegter Strecken entstanden, die verursachergerechte Anlastung der Kosten, effizientere Auslastungen und ökologische Aspekte als sogenannte externe Effekte bewirken können. Doch nicht alle Länder der Welt nutzen diese Möglichkeiten, so dass im Rahmen dieser Vertieferarbeit eingesetzte System verglichen und bewertet werden sollen. Zunächst wird dabei generell das System Maut in seinen Auswirkungen, Wirkungsbereichen und Einsatzzwecken beleuchtet. Als Teil des Mobility Pricings und Form eines Road-Pricing Ansatzes ist dabei vor allem der finanzielle Aspekt grundlegende Motivation zur Erhebung von Mautsystemen. Dabei unterscheiden sich die eingesetzten Systeme jedoch in verschiedenen Aspekten, so dass zusätzliche Ziele, vor allem aus den Bereichen Verkehrsmanagement und Umweltschutz anvisiert werden: Dabei haben die Ziele des Verkehrsmanagements neben den verkehrlichen Einflüssen bereits Effekte auf umweltspezifische Faktoren. So können Verkehrsvermeidungs- und –verlagerungsstrategien (Modal Split) neben den verkehrlichen Auswirkungen zur Verringerung von Emissionen (Lärm, Feinstaub, Co2) führen und bereits einen positiven Umwelteinfluss bewirken. Grundsätzlich werden diese Effekte durch die monetären Belastungen verursacht, die dabei nicht zwingend nutzungsabhängig sein müssen. Bei den zum Einsatz kommenden Systemen handelt es sich dabei voranging um nutzungs- oder zugangsbezogene Systeme. Bei nutzungsabhängigen Systemen (auch fahrleistungsabhängige oder streckentarifierte Systeme genannt) wird eine Anlastung der entstehenden Kosten auf die tatsächliche Nutzung der Infrastruktur sichergestellt und somit eine verursachergerechte Internalisierung erreicht. Bei zugangsbezogenen Systemen (zeittarifierte Vignettensysteme) wird dagegen ein Nutzungsrecht über einen bestimmten Zeitraum erworben, die tatsächliche Belastung der Infrastruktur jedoch nicht berücksichtigt. Neben den verschiedenen Erhebungsmethoden wird auch eine Unterscheidung der bemauteten Infrastruktur bzw. umfassender Fahrzeuge getroffen. Die Spannweite liegt somit zwischen netzweiten Systemen für alle Kraftfahrzeuge und LKW-Mautsystemen auf Autobahnen, welche Fokus dieser Arbeit sein sollen: Sollen neben den Finanzierungsaspekten vor allem auch die o.a. weiteren Effekte erreicht werden, kommen LKW-Maut Systeme zum Einsatz, die fahrleistungsabhängige Bepreisungen vorsehen. Diese sind dann nach Schadstoffklassen und zulässigem Gesamtgewicht der LKW gestaffelt. So findet einerseits die verursachergerechte Anlastung der Kosten, andererseits ein positiver Einfluss auf die Entlastung der Umwelt statt. Bei Systemen dieser Art wurden neben unternehmerischen Auswirkungen wie bspw. Flottenwechseln hin zu umweltfreundlicheren Fahrzeugen auch ein Verkehrsvermeidungsprozess durch bessere Auslastungsgrade und Tourenplanungen nachgewiesen. Da die fahrleistungsabhängige Erhebung zwar genauer, aber durch benötigte technische Infrastrukturen und Verwaltungsaufgaben deutlich kostenintensiver ist, kommen weiterhin auch zeittarifierte Vignettensysteme zum Einsatz. Auch diese können neben der finanziellen Anlastung der Kosten, die jedoch nur zum Teil nutzungsabhängig sind, weitere Effekte bewirken. So kann durch gestaffelte Basispreise bezüglich der spezifischen Fahrzeugkategorie ein positiver Einfluss auf die Umweltauswirkungen genommen werden. Aus Sicht des Verkehrsmanagement fehlt diesem System sowohl der signifikante Einfluss über den Modal-Split auf andere Verkehrsträger, der nur geringe Auswirkungen auf die straßengebundene Gesamtleistung hat, als auch Verkehrslenkungseffekte. Neben diesen Auswirkungen kann es bei einer Maut-Strategie bezogen auf das übergeordnete Straßennetz zu negativen Folgen für das untergeordnete Straßennetz durch „Mautflüchtlinge“ kommen, was als Ausweichverkehre bezeichnet wird. Diesen Effekt konnte man am Beispiel Deutschland sehr gut erkennen, so dass sukzessive bestimmte Strecken auf Bundesstraßen zum einen in das Bemautungssystem integriert oder durch LKW-Fahrverbote belegt werden. Diese Effekte fallen bei zeittarifierten Systemen dagegen deutlich geringer aus. Grundsätzlich bietet sich der Einsatz von Bemautung des übergeordneten Straßennetzes für LKW vor allem bei Ländern mit hohem Anteil an grenzüberschreitenden oder Transitverkehren an, um diese Nutzer an den anfallenden Kosten zu beteiligen. Die Ausarbeitung hat jedoch gezeigt, dass dessen Ausgestaltung durchaus durch länderspezifische Gegebenheiten unterschiedlich ausfallen kann. Zur Vorfinanzierung oder generellen Deckung der Infrastrukturkosten eignen sich demnach alle Systeme. Grundsätzlich empfiehlt es sich jedoch, eine fahrleistungsabhängige Bemautungsstrategie auf das gesamte Straßennetz unter Berücksichtigung möglichst vieler Staffelungsparameter zu wählen, um neben der Deckung (externer) Kosten auch die Umweltfolgen zu verringern und negative Auswirkungen auf Teilnetze zu mildern. Zudem kann auf dieser Basis der größtmögliche Einfluss auf das Verkehrsaufkommen und – verhalten genommen werden und somit bestmögliche Effekte des Verkehrsmanagements umgesetzt werden. Patrick Treiber Juli 2012

Divisions: 13 Department of Civil and Environmental Engineering Sciences
13 Department of Civil and Environmental Engineering Sciences > Institutes of Transportation
13 Department of Civil and Environmental Engineering Sciences > Institutes of Transportation > Institute for Transport Planning and Traffic Engineering
Date Deposited: 21 Jan 2018 14:09
Official URL: https://www.verkehr.tu-darmstadt.de/media/verkehr/fgvv/beruf...
Referees: Boltze, Prof. Dr. Manfred and Rühl, Wi.-Ing. Frederik and Stirl, Verk.wi. Mario
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Alternative abstract Language
For centuries, road pricing systems were used for the finance transport infrastructure, which have been more and more modified and technologized. Historical tolls changed into high-tech systems with accurately distance-record of traveled miles, usable for correct allocating of costs, more efficient utilization and environmental issues as so-called external effects. But not all countries in the world use these possibilities, which lead to the content of this thesis with a comparative and evaluating view on these systems. First, there is a general look to toll systems in its effects, effective ranges and operating purposes. As part of mobility pricing and shape of road-pricing, primarily the financial aspect is the basic motivation for the collection of tolls. Here, the systems differ in various aspects, so that additional targets like traffic management and environmental protection are given. The effects of traffic management influence in addition already effects on environmental factors. Thus, traffic avoidance and relocation strategies (modal split), cause in addition the transport impacts, reducing emissions as a positive environmental impact. Basically, these effects are caused by the monetary burdens that must not necessarily be based on usage. Furthermore, used systems differ in usage-based or access related systems. Usage-based systems (depending on distance or track sections) ensure the allocating of the effective use of infrastructure leading to cause-based internalization. In access-related (time-based) systems, the right of usage is acquired over a period of time, not considering the actual burden on the infrastructure. Apart from the different survey methods, a distinction of tolled infrastructure and comprehensive vehicle is executed. The range is thus between network-wide systems for all motor vehicles and trucktoll system on highways only, which the focus of this thesis is placed on. If, additional to financial aspects, the other effects should be achieved, truck-tolling systems are used, providing a distance-related basic. These are graded according to pollutant classes and gross vehicle weight of trucks. On the one hand side, the usage-based allocating of costs, on the other hand, a positive influence on environment issues take place. In these kind of systems, business impacts such as changing fleets towards environmentally friendly vehicles and traffic reduction processes through better utilization rates and tour planning, are proved. Distance-related systems are both more accurate and more expensive caused by the necessary higher technical infrastructure and administrative tasks. This is leading to a continuous use of time-based systems. These can achieve both the financial, which just partly depend on usage, as well additional effects. Thus, differing prices with regard to the specific vehicle category, achieve a positive influence on environmental effects. From the perspective of traffic management, these systems lack both the significant influence on the modal split to other traffic infrastructure (only minor effects on the overall traffic load is given), as well as the possibility of transport routing changes. Beside these effects, toll systems based on the overall road network, lead to negative consequences for the lower traffic network through "toll runaways". This effect could be seen on the example of Germany very well, where gradually parts of the lower traffic network have to be integrated in the toll system or getting closed for trucks. This effect is significantly lower on time-based systems. In principle, the use of toll-systems for trucks on the higher traffic network is recommended especially in countries with a high proportion of cross-border and transit traffic, in order to involve these users in the allocating cost issue. This thesis has shown that the design of toll-systems may differe by specific local circumstances. All systems are able to achieve the financial aspects in general or in pre-financing reasons. However, it is generally recommended, choosing distance-based toll systems on the overall road network by taking the most available parameter graduation, to cover (external) costs and reduce the negative environmental impacts as well as those on lower traffic networks.Moreover, on this basis, the greatest impact on traffic volume and –behavior can be taken and therefore the best possible effects of traffic management will be implemented. Patrick Treiber July 2012English
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