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Unternehmensreaktionen auf die Einführung einer Umweltzone

Wauri, Danny :
Unternehmensreaktionen auf die Einführung einer Umweltzone.
TU Darmstadt
[Bachelorarbeit], (2013)

Kurzbeschreibung (Abstract)

In den letzten Jahrzehnten stieg der Anteil des Güterverkehrs infolge des allgemeinen Wirtschaftswachstums stetig an. Vor allem bei einem Gütertransport in urbane Bereiche bietet der Straßengüterverkehr eine schnellere und flexiblere Alternative zu anderen Verkehrsträgern, weshalb auch weiterhin ein stetiger Anstieg der Verkehrsleistung erwartet wird. Der steigende Wirtschaftsverkehr, unter anderem bedingt durch einen zunehmenden Dienstleistungssektor sowie steigender Güternachfrage, sorgt vor allem in dichtbebauten Gebieten mit unzureichender Infrastruktur dafür, dass besonders mit Beeinträchtigungen in Form vom Lärm- und Feinstaubemissionen gerechnet werden muss. Besonders die Reduzierung der immer stärker werdenden innerstädtischen Feinstaubbelastung, zwingt Städte nicht selten zu einer Einführung einer Umweltzone, wobei augenscheinlich eher wenig Rücksicht auf Unternehmen genommen wird. Aus oben genannten Gründen werden im Rahmen dieser Arbeit die entstehenden Auswirkungen der Einführung einer Umweltzone aus Sicht von Unternehmen im Straßengüterverkehr dargestellt. Hierfür werden aufkommende Problemfelder thematisiert und differenziert nach Branchenzugehörigkeit und Unternehmensgröße thesenartig dargelegt, wobei unter anderem die Auswirkungen bezüglich des Fuhrparks, der zu erwartenden Kundenbeziehungen sowie der Standortattraktivität untersucht werden. So lässt sich vermuten, dass hauptsächlich kleinere Unternehmen, hierbei seien besonders Handwerksbetriebe genannt, für eine Umweltzoneneinfahrt unzureichend ausgestattete Fahrzeuge besitzen und diese auch aus monetären Gründen nicht modernisieren oder durch Neufahrzeuge ersetzen können. Weiterhin kann angenommen werden, dass Unternehmen unabhängig ihrer Größenordnung und Branchenzugehörigkeit ihren derzeitigen Standort im Zuge einer Umweltzoneneinführung als weniger attraktiv ansehen und somit einen Kundenrückgang zu beklagen haben. Als Folge rechnen des Weiteren einige Unternehmen damit, ihre Beschäftigten entlassen oder auf Kurzarbeit umstellen zu müssen. Die genauere Betrachtung der Automobilbranche lässt vor allem bei KFZ-Werkstätten vermuten, dass im Zuge der Fahrzeugmodernisierung von Unternehmen sowie auch von Privatpersonen, Umsatzsteigerungen als Folge zunehmender Auftragszahlen, erwartet werden. Gleichermaßen wird daraus folgernd vermutet, dass Werkstätten und Autohäuser ihren derzeitigen Standort als zukunftsträchtig ansehen. Auch für Speditions- und Logistikunternehmen zeigt die thesenartige Untersuchung, dass ein Großteil der Unternehmen einen eher unattraktiveren Standort erwartet, welcher zusätzlich durch verschlechterte Kundenbeziehungen charakterisiert wird. Um diesen schlechteren Kundschaftsverhältnis entgegenzuwirken, werden Unternehmen vermehrt auf individuelle Kundenwünsche eingehen müssen, was infolge geforderter Flexibilität und Just-in-Time-Transporten, eine Neukonzeption der Fahrzeuge und deren Routen mit sich bringt. Mit Hilfe einer von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar durchgeführten Untersuchung werden die erwähnten und weitere zu erwartende Probleme genauer betrachtet und analysiert. Dabei wurden 2900 Unternehmen verschiedener Größenklassen und Branchen der Region Darmstadt nach den persönlichen Auswirkungen einer möglichen Umweltzone in Darmstadt befragt. Mit den empirisch gewonnenen Daten der 352 teilnehmenden Unternehmen kann gezeigt werden, dass die Annahme der Fuhrparkmodernisierung auch auf Großunternehmen übertragbar ist, allerdings die PKW aller Unternehmensgrößen größtenteils in einem für eine Umweltzoneneinfahrt ausreichend modernen Stand gebracht wurden. Ein eindeutiges Ergebnis lässt sich nachweislich bei der zu erwartenden Standortattraktivität erkennen. Nicht nur Speditions- und Logistikunternehmen sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, sondern auch Gastbetriebe und sogar die Automobilbranche rechnen folglich damit, dass ihr Standort in Zukunft weniger erfolgversprechend sein wird. Da selbst die Automobilbranche nach Auswertung der Daten einen verschlechterten Standort erwartet, liefert die Untersuchung für die zu erwartenden Umsatzzahlen einen dementsprechenden Trend. Demnach rechnet ein Großteil dieser Unternehmen entgegen der aufgestellten Thesen mit einem Kundenabschwung sowie damit einhergehenden sinkenden Umsatzzahlen. Auch Speditions- und Logistikunternehmen erwarten neben dem Standortattraktivitätsverlust eine Verschlechterung der Kundenbeziehung sowie eine notwendige Modernisierung der Fahrzeugflotte. Die spezifischere Betrachtung der individuellen Auswirkungen auf Unternehmen, unabhängig sowie auch differenziert nach ihrer Größenklasse und Branchenzugehörigkeit zeigt, dass mit der Errichtung von Umweltzonen zwar gezielt versucht wird die Schadstoffemissionen in diesen Bereichen zu reduzieren, dies aber meist ohne Rücksicht auf Gewerbetreibende vollzogen wird. Am Beispiel einer Umweltzoneneinführung in Darmstadt zeigt sich, dass neben den naheliegenden Auswirkungen bezüglich des Fuhrparks, zusätzlich zahlreiche andere Problemfelder entstehen, denen mit effektiven Lösungskonzepten begegnet werden muss. Die Arbeit zeigt weiterhin, dass die Unternehmen nur bedingt zeitnah und effektiv auf die Einführung einer Umweltzone reagieren können. Aus diesem Grund sind es die Städte selbst, welche die Unternehmen entlasten und gleichzeitig für eine Verbesserung der Luftqualität sorgen müssen.

Typ des Eintrags: Bachelorarbeit
Erschienen: 2013
Autor(en): Wauri, Danny
Titel: Unternehmensreaktionen auf die Einführung einer Umweltzone
Sprache: Deutsch
Kurzbeschreibung (Abstract):

In den letzten Jahrzehnten stieg der Anteil des Güterverkehrs infolge des allgemeinen Wirtschaftswachstums stetig an. Vor allem bei einem Gütertransport in urbane Bereiche bietet der Straßengüterverkehr eine schnellere und flexiblere Alternative zu anderen Verkehrsträgern, weshalb auch weiterhin ein stetiger Anstieg der Verkehrsleistung erwartet wird. Der steigende Wirtschaftsverkehr, unter anderem bedingt durch einen zunehmenden Dienstleistungssektor sowie steigender Güternachfrage, sorgt vor allem in dichtbebauten Gebieten mit unzureichender Infrastruktur dafür, dass besonders mit Beeinträchtigungen in Form vom Lärm- und Feinstaubemissionen gerechnet werden muss. Besonders die Reduzierung der immer stärker werdenden innerstädtischen Feinstaubbelastung, zwingt Städte nicht selten zu einer Einführung einer Umweltzone, wobei augenscheinlich eher wenig Rücksicht auf Unternehmen genommen wird. Aus oben genannten Gründen werden im Rahmen dieser Arbeit die entstehenden Auswirkungen der Einführung einer Umweltzone aus Sicht von Unternehmen im Straßengüterverkehr dargestellt. Hierfür werden aufkommende Problemfelder thematisiert und differenziert nach Branchenzugehörigkeit und Unternehmensgröße thesenartig dargelegt, wobei unter anderem die Auswirkungen bezüglich des Fuhrparks, der zu erwartenden Kundenbeziehungen sowie der Standortattraktivität untersucht werden. So lässt sich vermuten, dass hauptsächlich kleinere Unternehmen, hierbei seien besonders Handwerksbetriebe genannt, für eine Umweltzoneneinfahrt unzureichend ausgestattete Fahrzeuge besitzen und diese auch aus monetären Gründen nicht modernisieren oder durch Neufahrzeuge ersetzen können. Weiterhin kann angenommen werden, dass Unternehmen unabhängig ihrer Größenordnung und Branchenzugehörigkeit ihren derzeitigen Standort im Zuge einer Umweltzoneneinführung als weniger attraktiv ansehen und somit einen Kundenrückgang zu beklagen haben. Als Folge rechnen des Weiteren einige Unternehmen damit, ihre Beschäftigten entlassen oder auf Kurzarbeit umstellen zu müssen. Die genauere Betrachtung der Automobilbranche lässt vor allem bei KFZ-Werkstätten vermuten, dass im Zuge der Fahrzeugmodernisierung von Unternehmen sowie auch von Privatpersonen, Umsatzsteigerungen als Folge zunehmender Auftragszahlen, erwartet werden. Gleichermaßen wird daraus folgernd vermutet, dass Werkstätten und Autohäuser ihren derzeitigen Standort als zukunftsträchtig ansehen. Auch für Speditions- und Logistikunternehmen zeigt die thesenartige Untersuchung, dass ein Großteil der Unternehmen einen eher unattraktiveren Standort erwartet, welcher zusätzlich durch verschlechterte Kundenbeziehungen charakterisiert wird. Um diesen schlechteren Kundschaftsverhältnis entgegenzuwirken, werden Unternehmen vermehrt auf individuelle Kundenwünsche eingehen müssen, was infolge geforderter Flexibilität und Just-in-Time-Transporten, eine Neukonzeption der Fahrzeuge und deren Routen mit sich bringt. Mit Hilfe einer von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar durchgeführten Untersuchung werden die erwähnten und weitere zu erwartende Probleme genauer betrachtet und analysiert. Dabei wurden 2900 Unternehmen verschiedener Größenklassen und Branchen der Region Darmstadt nach den persönlichen Auswirkungen einer möglichen Umweltzone in Darmstadt befragt. Mit den empirisch gewonnenen Daten der 352 teilnehmenden Unternehmen kann gezeigt werden, dass die Annahme der Fuhrparkmodernisierung auch auf Großunternehmen übertragbar ist, allerdings die PKW aller Unternehmensgrößen größtenteils in einem für eine Umweltzoneneinfahrt ausreichend modernen Stand gebracht wurden. Ein eindeutiges Ergebnis lässt sich nachweislich bei der zu erwartenden Standortattraktivität erkennen. Nicht nur Speditions- und Logistikunternehmen sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, sondern auch Gastbetriebe und sogar die Automobilbranche rechnen folglich damit, dass ihr Standort in Zukunft weniger erfolgversprechend sein wird. Da selbst die Automobilbranche nach Auswertung der Daten einen verschlechterten Standort erwartet, liefert die Untersuchung für die zu erwartenden Umsatzzahlen einen dementsprechenden Trend. Demnach rechnet ein Großteil dieser Unternehmen entgegen der aufgestellten Thesen mit einem Kundenabschwung sowie damit einhergehenden sinkenden Umsatzzahlen. Auch Speditions- und Logistikunternehmen erwarten neben dem Standortattraktivitätsverlust eine Verschlechterung der Kundenbeziehung sowie eine notwendige Modernisierung der Fahrzeugflotte. Die spezifischere Betrachtung der individuellen Auswirkungen auf Unternehmen, unabhängig sowie auch differenziert nach ihrer Größenklasse und Branchenzugehörigkeit zeigt, dass mit der Errichtung von Umweltzonen zwar gezielt versucht wird die Schadstoffemissionen in diesen Bereichen zu reduzieren, dies aber meist ohne Rücksicht auf Gewerbetreibende vollzogen wird. Am Beispiel einer Umweltzoneneinführung in Darmstadt zeigt sich, dass neben den naheliegenden Auswirkungen bezüglich des Fuhrparks, zusätzlich zahlreiche andere Problemfelder entstehen, denen mit effektiven Lösungskonzepten begegnet werden muss. Die Arbeit zeigt weiterhin, dass die Unternehmen nur bedingt zeitnah und effektiv auf die Einführung einer Umweltzone reagieren können. Aus diesem Grund sind es die Städte selbst, welche die Unternehmen entlasten und gleichzeitig für eine Verbesserung der Luftqualität sorgen müssen.

Fachbereich(e)/-gebiet(e): Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Civil and Environmental Engineering > Institut für Verkehr > Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrstechnik
Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Civil and Environmental Engineering > Institut für Verkehr
Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Civil and Environmental Engineering
Hinterlegungsdatum: 05 Apr 2016 14:43
Gutachter / Prüfer: Boltze, Prof. Dr. Manfred ; Rühl, Dipl.W.Ing Frederik
Alternatives oder übersetztes Abstract:
AbstractSprache
The percentage of freight traffic as a result of the overall economic growth has increased steadily in recent decades. Especially when a freight transport in urban areas of road transport offers a faster and more flexible alternative to other modes of transport, a steady increase of transport services can be expected. The growing economic trade, partly due to an increasing service sector, as well as to the rising demand for goods, may lead to adverse effects in form of noise and fine dust emissions especially in densly built-up areas with an inadequate infrastructure. Especially the reduction of the intra-urban particulate air pollution, which has been increasing invariably, often forces cities to introduce a low emission zone, with apparently little regard to companies. For this reason, the impact of establishing a low emission zone from the perspective of companies operating in the road freight transport will be examined in this work. For this purpose emerging problem areas will be depicted differentiated and thesis-like presented according to industry affiliation and company size. Besides that, this study will take a closer look at the impact of assimilated fleets, customer relations, as well as the attractiveness of location. It is assumed, that mostly smaller businesses, crafts enterprises in particular, do not own vehicles that are appropriate for a low emission zone entrance. Furthermore, smaller businesses are often not capable of modernizing or replacing their vehicles for new ones due to financial reasons. Moreover, it can be concluded that in the course of introducing an environmental zone companies, regardless their size and industry affiliation, see their current location as less attractive and therefore complain about a decline in customers. As a result, some companies are fully aware of the fact that they might dismiss employees or introduce short-time work. A closer look at the automotive industry suggests that especially in garages increases in sales as a result of a rising number of orders are expected in the course of vehicle modernization concerning companies as well as individuals. Equally, it is presumed that garages and car dealers see their current location in a promising future. Also for freight forwarding and logistics companies, the thesis-like survey shows that a large part of companies expect a rather attractive site of location which additionally results in deteriorated customer relationships. To counteract these impaired relationships, companies must increasingly respond to individual customer requirements. Hence, this would mean a new conception of the vehicles and their routes as a result of required flexibility and just-in-time transport. With the help of a study, carried out by the chamber of industry and commerce of Darmstadt Rhein Main, the problems mentioned and those to be expected will be examined and analyzed. For this purpose, 2900 companies of different sizes and branches within the area of Darmstadt were surveyed about the impact a possible low emission zone in Darmstadt would have on them. The empirically obtained data of 352 responding companies will demonstrate that the adoption of the fleet modernization can also be transferred to large corporations. However, the majority of the cars of all different company sizes have been sufficiently modern enough for an entrance into a low emission zone. A clear result is noticeable concerning the attractiveness of location. According to this analysis not only freight forwarding and logistics companies, crafts and service enterprises but also guest houses and even the automotive industry expect that their location will be less promising in the future. Because even the automotive industry expects a deteriorating location after analyzing the data, the study will provide a corresponding trend for the sales figures to be expected. Therefore, contrary to the determined theses, the majority of these companies expect falling sales figures and a declining number of customers. Also freight forwarding and logistics companies expect a deterioration in costumer relationships, as well as a declining attractiveness of location. In addition, there is a strong need to modernise their fleet. The more specific consideration of the individual consequences for enterprises, regardless their size and industrial affiliation, but also differentiated by those two aspects, shows that on the one hand the introduction of low emission zones attempts to reduce the pollutant emissions in these areas, on the other hand this is often implemented without regard to companies. The example of introducing a low emission zone in Darmstadt shows that in addition to the obvious impact on the fleet, many other problem areas arise, which must be counteracted with effective solutions. Moreover this work proves that the companies can only respond to a certain extent promptly and effectively to introducing a low emission zone. For this reason, it is the cities themselves, that must unburden and strengthen the enterprises and at the same time ensure an improvement of air quality.Englisch
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