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Alltägliches Handeln in intelligenten Systemen: Philosophische Überlegungen zur Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik - Konsequenzen für ein technisches Design im Ubiquitous Computing

Dietrich, Manuel (2018):
Alltägliches Handeln in intelligenten Systemen: Philosophische Überlegungen zur Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik - Konsequenzen für ein technisches Design im Ubiquitous Computing.
Darmstadt, Technische Universität, [Online-Edition: https://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/7477],
[Ph.D. Thesis]

Abstract

Techniken mit intelligenten Befähigungen begegnen uns schon heute im Alltag und sind Hauptprotagonisten vieler Erzählungen techno-sozialer Zukünfte und konkreter Entwicklungsvorhaben. Zu intelligenten Systemen zählen u. a. Haushaltsroboter, Expertensysteme, Smarthomes, Fahrerassistenz- und Navigationssysteme, Systeme für personalisierte Werbung oder medizinische Diagnose. In dieser interdisziplinären Dissertation werden die Möglichkeiten alltäglichen Handelns in intelligenten Systemen philosophisch untersucht und diskutiert, welche Konsequenzen sich aus diesen Überlegungen für die technische Gestaltung intelligenter Systeme ergeben. Dabei sind hybride Konstellationen von Menschen und intelligenter Technik von zentralem Interesse. Mensch-Technik-Hybride sind keine Verbindungen, die sich in Bezug auf moderne Hochtechnologien konstituieren, sondern Menschen und Techniken bildeten immer schon Hybride, die sich dadurch auszeichnen, dass die Technik ein mitbestimmender Teil des alltäglich-selbstverständlichen Agierens von Personen ist. Es wird argumentiert, dass Hybride als selbstverständliche und somit subjektiv nahtlose Verbindungen von Mensch und Technik aus Sicht einer Designstrategie im Ubiquitous Computing von Interesse sind. In der Dissertation wird eine Philosophie der Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik entworfen. Die Bedingungen für die Entstehung hybrider Verbindungen werden anhand medienphilosophischer und phänomenologischer Überlegungen unter Berücksichtigung eines technischen Verständnisses intelligenter Systeme rekonstruiert. Es lässt sich anhand der theoretischen Überlegungen zeigen, dass und warum eine Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik problematisch sein kann: Demnach ist es für Nutzer im Erlernen eines Umgangs mit intelligenter Technik häufig schwierig mit Irritationen bzw. dem nicht-erfüllten von anfänglichen Erwartungen umzugehen, weil die autonomen Systemaktivitäten ein Zu- bzw. Einordnen von Systemeffekten nicht zulässt. Im gestalterisch-angewandten Teil der Arbeit werden Methoden entwickelt, die auf diese Problemlage reagieren. Intelligente Systeme müssen, so der Ansatz, Aspekte ihres internen Wirkens für den Nutzer transparent vermitteln, damit Gründe für Irritationen identifiziert und dieses Wissen in korrigierender Absicht genutzt werden kann. Mögliche zu vermittelnde Aspekte werden auf Basis einer Diskussion zur Verstehbarkeit von lernenden Algorithmen in einem Kandidaten-Framework systematisiert. Das Framework wird im Bereich intelligenter Self-Tracking-Techniken systemisch umgesetzt und anhand von zwei Nutzerstudien evaluiert. Die Ergebnisse der Nutzerstudien dienen dazu, die Eignung der Methoden hinsichtlich der Problemlage aufzuzeigen sowie die theoretischen Konzepte anhand der Praxis zu veranschaulichen und zu vertiefen.

Item Type: Ph.D. Thesis
Erschienen: 2018
Creators: Dietrich, Manuel
Title: Alltägliches Handeln in intelligenten Systemen: Philosophische Überlegungen zur Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik - Konsequenzen für ein technisches Design im Ubiquitous Computing
Language: German
Abstract:

Techniken mit intelligenten Befähigungen begegnen uns schon heute im Alltag und sind Hauptprotagonisten vieler Erzählungen techno-sozialer Zukünfte und konkreter Entwicklungsvorhaben. Zu intelligenten Systemen zählen u. a. Haushaltsroboter, Expertensysteme, Smarthomes, Fahrerassistenz- und Navigationssysteme, Systeme für personalisierte Werbung oder medizinische Diagnose. In dieser interdisziplinären Dissertation werden die Möglichkeiten alltäglichen Handelns in intelligenten Systemen philosophisch untersucht und diskutiert, welche Konsequenzen sich aus diesen Überlegungen für die technische Gestaltung intelligenter Systeme ergeben. Dabei sind hybride Konstellationen von Menschen und intelligenter Technik von zentralem Interesse. Mensch-Technik-Hybride sind keine Verbindungen, die sich in Bezug auf moderne Hochtechnologien konstituieren, sondern Menschen und Techniken bildeten immer schon Hybride, die sich dadurch auszeichnen, dass die Technik ein mitbestimmender Teil des alltäglich-selbstverständlichen Agierens von Personen ist. Es wird argumentiert, dass Hybride als selbstverständliche und somit subjektiv nahtlose Verbindungen von Mensch und Technik aus Sicht einer Designstrategie im Ubiquitous Computing von Interesse sind. In der Dissertation wird eine Philosophie der Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik entworfen. Die Bedingungen für die Entstehung hybrider Verbindungen werden anhand medienphilosophischer und phänomenologischer Überlegungen unter Berücksichtigung eines technischen Verständnisses intelligenter Systeme rekonstruiert. Es lässt sich anhand der theoretischen Überlegungen zeigen, dass und warum eine Hybridisierung von Menschen durch intelligente Technik problematisch sein kann: Demnach ist es für Nutzer im Erlernen eines Umgangs mit intelligenter Technik häufig schwierig mit Irritationen bzw. dem nicht-erfüllten von anfänglichen Erwartungen umzugehen, weil die autonomen Systemaktivitäten ein Zu- bzw. Einordnen von Systemeffekten nicht zulässt. Im gestalterisch-angewandten Teil der Arbeit werden Methoden entwickelt, die auf diese Problemlage reagieren. Intelligente Systeme müssen, so der Ansatz, Aspekte ihres internen Wirkens für den Nutzer transparent vermitteln, damit Gründe für Irritationen identifiziert und dieses Wissen in korrigierender Absicht genutzt werden kann. Mögliche zu vermittelnde Aspekte werden auf Basis einer Diskussion zur Verstehbarkeit von lernenden Algorithmen in einem Kandidaten-Framework systematisiert. Das Framework wird im Bereich intelligenter Self-Tracking-Techniken systemisch umgesetzt und anhand von zwei Nutzerstudien evaluiert. Die Ergebnisse der Nutzerstudien dienen dazu, die Eignung der Methoden hinsichtlich der Problemlage aufzuzeigen sowie die theoretischen Konzepte anhand der Praxis zu veranschaulichen und zu vertiefen.

Place of Publication: Darmstadt
Divisions: 02 Department of History and Social Science
DFG-Graduiertenkollegs
DFG-Graduiertenkollegs > Research Training Group 1343 Topology of Technology
02 Department of History and Social Science > Institute of Philosophy
Date Deposited: 30 Sep 2018 19:56
Official URL: https://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/7477
URN: urn:nbn:de:tuda-tuprints-74779
Referees: Hubig, Prof. Dr. Christoph and Van Laerhoven, Prof. Dr. Kristof and Gehring, Prof. Dr. Petra
Refereed / Verteidigung / mdl. Prüfung: 25 April 2018
Alternative Abstract:
Alternative abstract Language
Technologies with intelligent capabilities already affect us in everyday life and play a prominent role in socio-technical stories about the future as well as tangible research and development projects. Intelligent technology includes household robots, expert systems, smart-homes, driver assistant and navigation systems, systems for personalized advertisement or medical diagnoses. In this interdisciplinary thesis, the possibilities for everyday behavior in intelligent systems are investigated from a philosophical perspective and the consequences for the design of intelligent systems are discussed, with hybrid constellations between humans and intelligent technologies as a key focus. Human-technology hybrids are not seen as relations that constitute with respect to contemporary advanced technologies; rather humans and technology always have formed hybrid relations which are characterized by the determining role of the technology within natural everyday activities of humans. It is argued that hybrids as natural and therefore seamless relations are of interest from an interaction design perspective in Ubiquitous Computing. In the thesis, a philosophy of the hybridization between humans and intelligent technologies is conceptualized. The conditions for the formation of hybrid relations are reconstructed based on media-philosophical and phenomenological concepts with respect to a technological understanding of intelligent systems. Based on the theoretical thoughts it could be shown that and why a hybridization of humans and intelligent technologies is difficult to be formed. One reason is that for novice users, while interacting with intelligent technologies, it is often difficult to handle errors or initial expectations that are not met. This is likely because autonomous system behavior makes it hard to relate system-effects to the own actions and intentions. In the applied design part of the thesis, these problems are address by a methodological approach. Intelligent systems should be designed, following this approach, in a way that aspects of their internal functionality are transparently shown to users, in order to identify the causes for irritations by users, so that this knowledge can be used to align future interaction. Aspects which could be applied for generating feedback are systematized in a candidate-framework which is based on a discussion on the intelligibility of machine learning algorithms. The framework is systematically implemented in the field of intelligent self-tracking technologies and is evaluated in two user studies. The results of the studies are analyzed to show that the methods are a suitable response to the problems and to practically illustrate and deepen the theoretical concepts.English
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