TU Darmstadt / ULB / TUbiblio

Der Schutz Kritischer Infrastrukturen als Gegenstand der räumlichen Planung

Bittner, Timo :
Der Schutz Kritischer Infrastrukturen als Gegenstand der räumlichen Planung.
TU Darmstadt
[Bachelorarbeit], (2014)

Kurzbeschreibung (Abstract)

Das Thema Kritische Infrastrukturen (KRITIS) hat in der jüngeren Vergangenheit stark an Bedeutung gewonnen. Durch die vermehrte Verknüpfung der Infrastruktursektoren untereinander und die Nutzung von bspw. Strom und Telekommunikation in praktisch allen Bereichen des menschlichen Lebens wirken sich Beeinträchtigungen oder Störungen dieser Infrastrukturen umso gravierender aus. Um also die Funktionsfähigkeit moderner Gesellschaften aufrecht zu erhalten, müssen Kritische Infrastrukturen geschützt werden. Laut dem §2 Abs. 2 Nr. 3 Raumordnungsgesetz (ROG) muss auch die räumliche Planung diesem Schutz „Rechnung tragen“, es ist jedoch nicht ausgeführt, was genau darunter zu verstehen ist oder wie die Umsetzung in der Praxis aussieht bzw. aussehen sollte. Diese Problematik soll im Rahmen der Arbeit aufgegriffen und eingehend untersucht werden. Dazu wird im Zuge der Arbeit zunächst ein Überblick über den Themenbereich gegeben, zentrale Begrifflichkeiten und die am KRITIS-Schutz beteiligten Akteure erläutert, um anschließend die Rolle der Raumplanung im Allgemeinen und die der Regionalplanung im Speziellen genauer betrachten zu können. Als ein möglicher Ansatz zur Wahrnehmung der herausgearbeiteten Aufgaben wird im Anschluss das Risikomanagement vorgestellt, welches Möglichkeiten zur Operationalisierung des Schutzes Kritischer Infrastrukturen im Rahmen des räumlichen Planungsprozesses bietet. Um die erarbeiteten Grundlagen und gewonnenen Erkenntnisse mit der Praxis zu verknüpfen, werden im dritten Kapitel Untersuchungsräume ausgewählt, in denen der KRITIS-Schutz als Gegenstand der räumlichen Planung analysiert werden soll. Hier bieten sich auf der Ebene der Regionalplanung die Regionen Nord- und Südhessen an. Gegenüber der „klassischen“ Regionalplanung im Regierungsbezirk Kassel im Norden findet im Rhein-Main-Gebiet im Süden ein Regionaler Flächennutzungsplan Anwendung. So können an dieser Stelle verschiedene Planungsinstrumente im Hinblick auf Festlegungen und Maßnahmen für den Schutz Kritischer Infrastrukturen untersucht und miteinander verglichen werden. Neben dieser Planinhaltsanalyse wurden im Rahmen der Arbeit Interviews mit Vertretern der jeweiligen Regionalplanungsregionen geführt. Mithilfe dieser Resultate werden im Hauptteil der Arbeit neben dem Vergleich der zuvor erwähnten Planungsinstrumente auch die Stellung des KRITIS-Schutzes in der Raumplanung, die Raumrelevanz und räumliche Eingrenzbarkeit der Problematiken, der Einfluss des Klimawandels und das oben angesprochene Risikomanagement als eine mögliche Lösung behandelt. Insgesamt ist dabei festzustellen, dass der Schutz Kritischer Infrastrukturen eine in weiten Teilen defizitäre Rolle im raumplanerischen Prozess einnimmt und auf der genauer betrachteten Ebene der Regionalplanung bisher wenig bis gar keine Anwendung findet. Hier wirken sich neben der Tatsache, dass das Thema an sich recht neu und unerforscht ist, vor allen Dingen die nicht zuletzt dadurch bedingt fehlenden Möglichkeiten zur Operationalisierung und Handhabe des KRITIS-Schutzes durch die Raumplanung negativ aus. So werden zwar einige Optionen und Maßnahmen herausgestellt, derer sich die räumliche Planung bedienen könnte, allerdings ist die Aufgabenwahrnehmung in der Praxis zumeist mangelhaft. Oft fehlen konkrete Festlegungen, die direkt dem Schutz Kritischer Infrastrukturen Rechnung tragen, wie es im Raumordnungsgesetz formuliert ist. Im Bereich des Hochwasserschutzes z.B. tritt der KRITIS-Schutz eher als Nebeneffekt der ohnehin durch die Raumplanung zu treffenden Bestimmungen auf. Zum Abschluss wird daher nochmals auf das Risikomanagement eingegangen, da dieser Ansatz Möglichkeiten aufzeigt, den Schutz Kritischer Infrastrukturen besser als bisher in den räumlichen Planungsprozess einzubinden. Als Fazit ist somit festzuhalten, dass es höchstwahrscheinlich nötig sein wird, die Rolle bzw. Aufgabe der Raumplanung in diesem Bereich und somit den KRITIS-Schutz als Gegenstand der räumlichen Planung deutlich zu stärken. Ansonsten besteht Grund zu der Annahme, dass man hier dem Schutz Kritischer Infrastrukturen in Zukunft nicht gerecht werden kann, wenn die Raumplanung ihr Potenzial in diesem Bereich weiterhin ungenutzt lässt.

Typ des Eintrags: Bachelorarbeit
Erschienen: 2014
Autor(en): Bittner, Timo
Titel: Der Schutz Kritischer Infrastrukturen als Gegenstand der räumlichen Planung
Sprache: Deutsch
Kurzbeschreibung (Abstract):

Das Thema Kritische Infrastrukturen (KRITIS) hat in der jüngeren Vergangenheit stark an Bedeutung gewonnen. Durch die vermehrte Verknüpfung der Infrastruktursektoren untereinander und die Nutzung von bspw. Strom und Telekommunikation in praktisch allen Bereichen des menschlichen Lebens wirken sich Beeinträchtigungen oder Störungen dieser Infrastrukturen umso gravierender aus. Um also die Funktionsfähigkeit moderner Gesellschaften aufrecht zu erhalten, müssen Kritische Infrastrukturen geschützt werden. Laut dem §2 Abs. 2 Nr. 3 Raumordnungsgesetz (ROG) muss auch die räumliche Planung diesem Schutz „Rechnung tragen“, es ist jedoch nicht ausgeführt, was genau darunter zu verstehen ist oder wie die Umsetzung in der Praxis aussieht bzw. aussehen sollte. Diese Problematik soll im Rahmen der Arbeit aufgegriffen und eingehend untersucht werden. Dazu wird im Zuge der Arbeit zunächst ein Überblick über den Themenbereich gegeben, zentrale Begrifflichkeiten und die am KRITIS-Schutz beteiligten Akteure erläutert, um anschließend die Rolle der Raumplanung im Allgemeinen und die der Regionalplanung im Speziellen genauer betrachten zu können. Als ein möglicher Ansatz zur Wahrnehmung der herausgearbeiteten Aufgaben wird im Anschluss das Risikomanagement vorgestellt, welches Möglichkeiten zur Operationalisierung des Schutzes Kritischer Infrastrukturen im Rahmen des räumlichen Planungsprozesses bietet. Um die erarbeiteten Grundlagen und gewonnenen Erkenntnisse mit der Praxis zu verknüpfen, werden im dritten Kapitel Untersuchungsräume ausgewählt, in denen der KRITIS-Schutz als Gegenstand der räumlichen Planung analysiert werden soll. Hier bieten sich auf der Ebene der Regionalplanung die Regionen Nord- und Südhessen an. Gegenüber der „klassischen“ Regionalplanung im Regierungsbezirk Kassel im Norden findet im Rhein-Main-Gebiet im Süden ein Regionaler Flächennutzungsplan Anwendung. So können an dieser Stelle verschiedene Planungsinstrumente im Hinblick auf Festlegungen und Maßnahmen für den Schutz Kritischer Infrastrukturen untersucht und miteinander verglichen werden. Neben dieser Planinhaltsanalyse wurden im Rahmen der Arbeit Interviews mit Vertretern der jeweiligen Regionalplanungsregionen geführt. Mithilfe dieser Resultate werden im Hauptteil der Arbeit neben dem Vergleich der zuvor erwähnten Planungsinstrumente auch die Stellung des KRITIS-Schutzes in der Raumplanung, die Raumrelevanz und räumliche Eingrenzbarkeit der Problematiken, der Einfluss des Klimawandels und das oben angesprochene Risikomanagement als eine mögliche Lösung behandelt. Insgesamt ist dabei festzustellen, dass der Schutz Kritischer Infrastrukturen eine in weiten Teilen defizitäre Rolle im raumplanerischen Prozess einnimmt und auf der genauer betrachteten Ebene der Regionalplanung bisher wenig bis gar keine Anwendung findet. Hier wirken sich neben der Tatsache, dass das Thema an sich recht neu und unerforscht ist, vor allen Dingen die nicht zuletzt dadurch bedingt fehlenden Möglichkeiten zur Operationalisierung und Handhabe des KRITIS-Schutzes durch die Raumplanung negativ aus. So werden zwar einige Optionen und Maßnahmen herausgestellt, derer sich die räumliche Planung bedienen könnte, allerdings ist die Aufgabenwahrnehmung in der Praxis zumeist mangelhaft. Oft fehlen konkrete Festlegungen, die direkt dem Schutz Kritischer Infrastrukturen Rechnung tragen, wie es im Raumordnungsgesetz formuliert ist. Im Bereich des Hochwasserschutzes z.B. tritt der KRITIS-Schutz eher als Nebeneffekt der ohnehin durch die Raumplanung zu treffenden Bestimmungen auf. Zum Abschluss wird daher nochmals auf das Risikomanagement eingegangen, da dieser Ansatz Möglichkeiten aufzeigt, den Schutz Kritischer Infrastrukturen besser als bisher in den räumlichen Planungsprozess einzubinden. Als Fazit ist somit festzuhalten, dass es höchstwahrscheinlich nötig sein wird, die Rolle bzw. Aufgabe der Raumplanung in diesem Bereich und somit den KRITIS-Schutz als Gegenstand der räumlichen Planung deutlich zu stärken. Ansonsten besteht Grund zu der Annahme, dass man hier dem Schutz Kritischer Infrastrukturen in Zukunft nicht gerecht werden kann, wenn die Raumplanung ihr Potenzial in diesem Bereich weiterhin ungenutzt lässt.

Freie Schlagworte: Infrastruktur, Kritische Infrastrukturen, Raumplanung, Regionalplanung, Risikomanagement
Fachbereich(e)/-gebiet(e): 13 Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften > Institut IWAR - Wasser- und Abfalltechnik, Umwelt- und Raumplanung
13 Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften > Institut IWAR - Wasser- und Abfalltechnik, Umwelt- und Raumplanung > Fachgebiet Raum- und Infrastrukturplanung
13 Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften
Hinterlegungsdatum: 17 Mai 2017 07:19
Zusätzliche Informationen:

Betreuer: Dr.-Ing. Martin Schmidt

Schlagworte in weiteren Sprachen:
Einzelne SchlagworteSprache
Critical Infrastructures, infrastructure, regional planning, risk management, spatial planningEnglisch
Alternatives oder übersetztes Abstract:
AbstractSprache
The subject of Critical Infrastructures (KRITIS) has recently gained significance. The increased interdependencies of the various infrastructure sectors and their growing use, e.g. of power or telecommunication, during our daily life leads to more impactful disruptions should the services be impaired or fail altogether. Thus, in order to ensure modern society remaining operational, these infrastructures have to be protected. While German spatial planning laws include the obligation for planners to meet the corresponding concerns, no details or instructions are given on how to implement it. This is the starting for this work that will aim to perform in-depth research on the topic. To achieve this, first an overview on the subject area is provided along with exemplification of essential terms and participating actors. Based on that the role of spatial planning in general and the implications on a regional level in particular are reviewed in detail. As a potential approach for taking care of the tasks previously identified, risk management will be assessed together with its possibilities regarding the operationalization of the protection of critical infrastructures within spatial planning processes. Subsequently, the gathered theoretical information and knowledge is linked to spatial planning practice by selecting regions for further examination regarding the implementation of critical infrastructure protection. To comply with the “regional” level of planning, the administrative districts of northern and southern Hessen (Germany) are deemed to be a good fit, as the more traditional approach to spatial planning in Hessen’s north (regional office in Kassel) can be compared with the fairly new instrument of the regional land utilization and zoning plan in the south (regional office in Frankfurt(Main) and Darmstadt). That way, comparisons between two styles of planning regarding specification and procedures will allow for further research and additional conclusions. On top of that, interviews with representatives of the selected areas were conducted. With the aid of those results, the main portion of the thesis will add onto the comparison mentioned above and evaluate the state and position of the protection of critical infrastructures in spatial planning, the relevance for a given area and the localization of the identified domains as well as their problems. Furthermore, the impact of climate change and the aforementioned risk management as a possible solution will be discussed at length. Collectively, deficits regarding the protection of critical infrastructures, specifically within spatial planning processes, are discovered and established through the lack of implementation on a regional level. This is caused by the subject being relatively new and uncharted territory accompanied by a distinct absence of operationalization and guidelines in spatial planning departments. As such, some options and procedures that might be of help were identified, but both the awareness and responsibility present in practice were observed to be inadequate. The lack of clear and tangible laws and definitions leads to the protection of critical infrastructures being more of a by-product of already established measures such as flood prevention and management. Because of that, the incorporation of proper risk management in spatial planning offers opportunities to improve planning processes. Summing up, it was clearly determined that the role and duties of spatial planning regarding the protection of critical infrastructures will have to be extensively developed starting on a fundamental level. Otherwise, as the research shows, there is reason to believe that spatial planning will not be able to live up to its potential when it comes to protecting critical infrastructures, a problem that will only increase in the future.Englisch
Export:

Optionen (nur für Redakteure)

Eintrag anzeigen Eintrag anzeigen