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Flora Graeca Digitalis: Altbestand trifft Linked Open Data und Mobiles Computing

Stille, Wolfgang
Siebert, Irmgard ; Haubfleisch, Dietmar (eds.) :

Flora Graeca Digitalis: Altbestand trifft Linked Open Data und Mobiles Computing.
In: Vom Sinn der Bibliotheken: Festschrift für Hans-Georg Nolte-Fischer. Harrassowitz, Wiesbaden ISBN 978-3-447-10886-7
[Buchkapitel], (2017)

Kurzbeschreibung (Abstract)

Mit der rasant wachsenden Digitalisierung begleiten enorme Veränderungen fast alle Bereiche unseres Lebens und definieren grundlegend neue Wege, wie wir mit Information, Bildung und Kultur umgehen. Gleichzeitig übernehmen kulturelle Institutionen zunehmend soziale Verantwortung, die über die bloße Bereitstellung von Information hinausgehen. Zu diesem Zweck müssen sie neue Wege beschreiten, indem sie nicht nur Wissen dorthin bringen, wo die Empfänger sind (nämlich in das mobile Internet), sondern auch neue Formen der Präsentation und Anreicherung von Wissen für ein immer anspruchsvolleres Publikum, welches bereits interaktive, partizipative und spielerische Formen der Wissensaneignung gewohnt ist. – Lassen Sie mich von Beginn an anfangen: Vor zwei Jahren wurde eine vollständige Kopie der Flora Graeca, ein Meisterwerk bezüglich des Drucks, der Gravur, Farbe und Abbildung von Pflanzen aus dem späten 18. Jahrhundert bestehend aus insgesamt zehn Bänden durch Zufall in der Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek entdeckt. Motiviert vom insgesamt guten Zustand der Bände und den fast eintausend fein ausgestalteten, handbemalten Illustrationen führte das Digitalisierungszentrum eine hochwertige Digitalisierung der gesamten Arbeit durch, um sie digital für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine zentrale Frage, die ich mir damals stellte, war, wie man den Kreis der Nutzer dieses Werks über wissenschaftliche Anwender, d. h. Botaniker und Historiker hinaus, erweitern und das Interesse der Allgemeinheit für dieses wunderbare Meisterwerk wecken kann. Das Angebot sollte idealerweise auch auf unsere studentischen Nutzer abzielen, die die Bibliothek zu Hunderten als Arbeits- und Kommunikationsort nutzen. Warum nicht sie neugierig machen auf die wahren Schätze der Bibliothek, während sie an diesem Ort Tag für Tag viele Stunden verbringen. So war die Idee, die Digitalisate durch weitere Informationen anzureichern und eine Art Edutainmentanwendung zu kreieren. Botaniker der TU Darmstadt klassifizierten jede Pflanze mit ihrem aktuellen botanischen Namen, welcher wiederum als Anker diente, um Informationen in Form von Linked Open Data aus dem Internet zu einzusammeln, so dass die einzelnen Entitäten semantisch miteinander verknüpft werden und die hochwertigen Digitalisate mit zusätzlichen Informationen angereichert werden konnten. In Kombination mit einer in einem früheren Projekt speziell für den mobilen Einsatz entwickelten Präsentationsplattform entstand eine virtuelle Flora Graece, die als semantische Web-Applikation mit ansprechendem Design und intuitivem und spielerischem Handling insbesondere für mobile Geräte umgesetzt wurde. Sie erlaubt es, die Flora Graeca nicht nur sequentiell wie im Buch zu erforschen, sondern über ein semantisches Netzwerk. Sie stellt zusätzliche Informationen wie die wissenschaftliche Klassifikation, beschreibende Texte über die Pflanze und ihre Familie und Fotos bereit, verlässt das klassische Suchparadigma der digitalen Welt und lädt zum digitalen Flanieren ein: ähnlich einem realen Besuch in einer Bibliothek oder einem Museum erlaubt sie es, durch eine Sammlung zu schlendern, Dinge zu entdecken und zu vergleichen und sich inspirieren zu lassen.

Typ des Eintrags: Buchkapitel
Erschienen: 2017
Herausgeber: Siebert, Irmgard ; Haubfleisch, Dietmar
Autor(en): Stille, Wolfgang
Titel: Flora Graeca Digitalis: Altbestand trifft Linked Open Data und Mobiles Computing
Sprache: Deutsch
Kurzbeschreibung (Abstract):

Mit der rasant wachsenden Digitalisierung begleiten enorme Veränderungen fast alle Bereiche unseres Lebens und definieren grundlegend neue Wege, wie wir mit Information, Bildung und Kultur umgehen. Gleichzeitig übernehmen kulturelle Institutionen zunehmend soziale Verantwortung, die über die bloße Bereitstellung von Information hinausgehen. Zu diesem Zweck müssen sie neue Wege beschreiten, indem sie nicht nur Wissen dorthin bringen, wo die Empfänger sind (nämlich in das mobile Internet), sondern auch neue Formen der Präsentation und Anreicherung von Wissen für ein immer anspruchsvolleres Publikum, welches bereits interaktive, partizipative und spielerische Formen der Wissensaneignung gewohnt ist. – Lassen Sie mich von Beginn an anfangen: Vor zwei Jahren wurde eine vollständige Kopie der Flora Graeca, ein Meisterwerk bezüglich des Drucks, der Gravur, Farbe und Abbildung von Pflanzen aus dem späten 18. Jahrhundert bestehend aus insgesamt zehn Bänden durch Zufall in der Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek entdeckt. Motiviert vom insgesamt guten Zustand der Bände und den fast eintausend fein ausgestalteten, handbemalten Illustrationen führte das Digitalisierungszentrum eine hochwertige Digitalisierung der gesamten Arbeit durch, um sie digital für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine zentrale Frage, die ich mir damals stellte, war, wie man den Kreis der Nutzer dieses Werks über wissenschaftliche Anwender, d. h. Botaniker und Historiker hinaus, erweitern und das Interesse der Allgemeinheit für dieses wunderbare Meisterwerk wecken kann. Das Angebot sollte idealerweise auch auf unsere studentischen Nutzer abzielen, die die Bibliothek zu Hunderten als Arbeits- und Kommunikationsort nutzen. Warum nicht sie neugierig machen auf die wahren Schätze der Bibliothek, während sie an diesem Ort Tag für Tag viele Stunden verbringen. So war die Idee, die Digitalisate durch weitere Informationen anzureichern und eine Art Edutainmentanwendung zu kreieren. Botaniker der TU Darmstadt klassifizierten jede Pflanze mit ihrem aktuellen botanischen Namen, welcher wiederum als Anker diente, um Informationen in Form von Linked Open Data aus dem Internet zu einzusammeln, so dass die einzelnen Entitäten semantisch miteinander verknüpft werden und die hochwertigen Digitalisate mit zusätzlichen Informationen angereichert werden konnten. In Kombination mit einer in einem früheren Projekt speziell für den mobilen Einsatz entwickelten Präsentationsplattform entstand eine virtuelle Flora Graece, die als semantische Web-Applikation mit ansprechendem Design und intuitivem und spielerischem Handling insbesondere für mobile Geräte umgesetzt wurde. Sie erlaubt es, die Flora Graeca nicht nur sequentiell wie im Buch zu erforschen, sondern über ein semantisches Netzwerk. Sie stellt zusätzliche Informationen wie die wissenschaftliche Klassifikation, beschreibende Texte über die Pflanze und ihre Familie und Fotos bereit, verlässt das klassische Suchparadigma der digitalen Welt und lädt zum digitalen Flanieren ein: ähnlich einem realen Besuch in einer Bibliothek oder einem Museum erlaubt sie es, durch eine Sammlung zu schlendern, Dinge zu entdecken und zu vergleichen und sich inspirieren zu lassen.

Buchtitel: Vom Sinn der Bibliotheken: Festschrift für Hans-Georg Nolte-Fischer
Ort: Wiesbaden
Verlag: Harrassowitz
Freie Schlagworte: digitales Kulturerbe, linked open data, Edutainment, Wissensvermittlung
Fachbereich(e)/-gebiet(e): Zentrale Einrichtungen > Universitäts- und Landesbibliothek (ULB)
Zentrale Einrichtungen > Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) > Elektronische Informationsdienste
Zentrale Einrichtungen
Hinterlegungsdatum: 10 Jan 2017 15:22
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