TU Darmstadt / ULB / TUbiblio

Rentenabschläge im Spannungsfeld zwischen versicherungsmathematischer Fairness und arbeitsmarktpolitischer Anreizkompatibilität

Budimir, Kristina :
Rentenabschläge im Spannungsfeld zwischen versicherungsmathematischer Fairness und arbeitsmarktpolitischer Anreizkompatibilität.
[Online-Edition: urn:nbn:de:tuda-tuprints-9777]
Technische Universität , Darmstadt
[Dissertation], (2008)

Offizielle URL: urn:nbn:de:tuda-tuprints-9777

Kurzbeschreibung (Abstract)

Nachdem die positiven Arbeitsmarkteffekte der jahrzehntelangen Frühverrentungspolitik ausgeblieben sind und sich in der Konsequenz die Rentenbezugsdauer zusätzlich zur steigenden Restlebenserwartung erhöht hat, hat man mit dem Rentenreformgesetz von 1992 versucht die Frühverrentungskosten über eine Anhebung der Altersgrenzen für die vorgezogenen Altersrenten und die Einführung von Rentenabschlägen bei vorzeitigem Rentenbeginn zu internalisieren. Nach den Berechnungen von Ohsmann et al. (2003), Salthammer (2003), des Sachverständigenrats (2007) und des Sozialbeirats (2007) wirken sich die derzeitigen Abschläge in Höhe von 0,3 Prozent je Monat vorzeitigen Zugangs vor dem Regelrentenalter über die Restlebenserwartung im Durchschnitt neutral auf den Finanzstatus der Gesetzlichen Rentenversicherung aus. Allerdings können versicherungsmathematische Abschläge in lohnzentrierten Sozialsystemen die Belastungsneutralität der Versichertengemeinschaft bei vorzeitigen Verrentungen nicht gewährleisten, weil sie die Mindereinnahmen beim Steuer- und Beitragsaufkommen in den anderen Sozialversicherungszweigen nicht kompensieren. Aufgrund des ungebrochenen Trends zur Frühverrentung vermuten Börsch-Supan (2003), Sinn (2003), Pimpertz (2004) und Werding (2007), dass die eingeführten versicherungsmathematischen Rentenabschläge aus Anreizgesichtspunkten zu niedrig angesetzt sind. Anhand eines Lebenszyklusmodells wird formalanalytisch gezeigt, dass versicherungsmathematische Abschläge in einem risikoäquivalenten Absicherungssystem biometrischer Risiken die intertemporale Arbeitsangebotsentscheidung nicht verzerren. Die Analyse der Ruhestandsentscheidung im deutschen Steuer- und Abgabensystem ergibt, dass der Fehlanreiz auf die intertemporale Arbeits-Freizeit-Wahl nicht von den versicherungsmathematischen Abschlägen ausgeht, sondern vielmehr von der lohnzentrierten Finanzierung des Sozialversicherungssystems. Da der Nettoeffekt auf demographisch steigende Abgabensätze theoretisch unbestimmt ist, wird er empirisch anhand verschiedener Modelle und Spezifikationen ermittelt. Die empirischen Befunde legen einen hochsignifikant negativen und gegenüber allen anderen Determinanten der Ruhestandsentscheidung weit dominierenden Einfluss der Sozialversicherungsbeiträge auf den Erwerbsaustrittszeitpunkt nahe.

Typ des Eintrags: Dissertation
Erschienen: 2008
Autor(en): Budimir, Kristina
Titel: Rentenabschläge im Spannungsfeld zwischen versicherungsmathematischer Fairness und arbeitsmarktpolitischer Anreizkompatibilität
Sprache: Deutsch
Kurzbeschreibung (Abstract):

Nachdem die positiven Arbeitsmarkteffekte der jahrzehntelangen Frühverrentungspolitik ausgeblieben sind und sich in der Konsequenz die Rentenbezugsdauer zusätzlich zur steigenden Restlebenserwartung erhöht hat, hat man mit dem Rentenreformgesetz von 1992 versucht die Frühverrentungskosten über eine Anhebung der Altersgrenzen für die vorgezogenen Altersrenten und die Einführung von Rentenabschlägen bei vorzeitigem Rentenbeginn zu internalisieren. Nach den Berechnungen von Ohsmann et al. (2003), Salthammer (2003), des Sachverständigenrats (2007) und des Sozialbeirats (2007) wirken sich die derzeitigen Abschläge in Höhe von 0,3 Prozent je Monat vorzeitigen Zugangs vor dem Regelrentenalter über die Restlebenserwartung im Durchschnitt neutral auf den Finanzstatus der Gesetzlichen Rentenversicherung aus. Allerdings können versicherungsmathematische Abschläge in lohnzentrierten Sozialsystemen die Belastungsneutralität der Versichertengemeinschaft bei vorzeitigen Verrentungen nicht gewährleisten, weil sie die Mindereinnahmen beim Steuer- und Beitragsaufkommen in den anderen Sozialversicherungszweigen nicht kompensieren. Aufgrund des ungebrochenen Trends zur Frühverrentung vermuten Börsch-Supan (2003), Sinn (2003), Pimpertz (2004) und Werding (2007), dass die eingeführten versicherungsmathematischen Rentenabschläge aus Anreizgesichtspunkten zu niedrig angesetzt sind. Anhand eines Lebenszyklusmodells wird formalanalytisch gezeigt, dass versicherungsmathematische Abschläge in einem risikoäquivalenten Absicherungssystem biometrischer Risiken die intertemporale Arbeitsangebotsentscheidung nicht verzerren. Die Analyse der Ruhestandsentscheidung im deutschen Steuer- und Abgabensystem ergibt, dass der Fehlanreiz auf die intertemporale Arbeits-Freizeit-Wahl nicht von den versicherungsmathematischen Abschlägen ausgeht, sondern vielmehr von der lohnzentrierten Finanzierung des Sozialversicherungssystems. Da der Nettoeffekt auf demographisch steigende Abgabensätze theoretisch unbestimmt ist, wird er empirisch anhand verschiedener Modelle und Spezifikationen ermittelt. Die empirischen Befunde legen einen hochsignifikant negativen und gegenüber allen anderen Determinanten der Ruhestandsentscheidung weit dominierenden Einfluss der Sozialversicherungsbeiträge auf den Erwerbsaustrittszeitpunkt nahe.

Ort: Darmstadt
Verlag: Technische Universität
Freie Schlagworte: Ruhestandsentscheidung, Lebenszyklusmodell, Rentenabschläge, implizite Besteuerung, soziale Sicherung, Frühverrentung, Rentenalter, Rentenreformgesetz, Besteuerung der Arbeit, soziale Sicherheit
Fachbereich(e)/-gebiet(e): 01 Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Hinterlegungsdatum: 17 Okt 2008 09:22
Offizielle URL: urn:nbn:de:tuda-tuprints-9777
Referenten: Rürup, Prof. Dr. Bert ; Caspari, Prof. Dr. Volker
Datum der mündlichen Prüfung / Verteidigung / mdl. Prüfung: 5 März 2008
Schlagworte in weiteren Sprachen:
Einzelne SchlagworteSprache
retirement behavior, life cycle model, actuarial fairness, implicit taxation, social securityEnglisch
Alternatives Abstract:
Alternativer AbstractSprache
Since the positive labor market effects failed to appear after two decades of early retirement policy in Germany and raised just the pension duration additionally to the increasing life expectancy, the pension reform in 1992 at least intended to internalize the early retirement costs through an uprating of the early retirement ages and the introduction of actuarial adjustments. The calculations of Ohsmann et al. (2003), Salthammer (2003), the Council of Economic Experts (2007) and the Social Advisory Council (2007) indicate that the actuarial adjustment factor of 0.3 percent per month of premature entrance before the statutory retirement age is over the remaining life expectancy on average neutral to the financial status of the legal pension insurance. However, actuarial adjustments cannot ensure that the burden of the insured does not increase in earnings-related social security systems, because they do not compensate deficiency in taxes and contributions to the other statutory insurance systems. Due to the early retirement trend Börsch-Supan (2003), Sinn (2003), Pimpertz (2004) and Werding (2007) assume that the introduced actuarial adjustment factor is too low and therefore sets strong incentives to retire early. In a life cycle model it is shown analytically that an actuarial adjustment of benefits does not distort the intertemporal supply of labor in a risk adjusted insurance system. The analysis of the retirement decision in the German tax and social security contribution system yields that the early retirement incentive is not resulting from the actuarial adjustment as assumed, but rather by the earnings-related financing of the social insurance system. Because the net effect on demographically rising contribution rates is theoretically indefinite, it is determined empirically using different models and specifications. The empirical findings suggest a highly significant negative influence of the social insurance contributions dominating by far the influence of the other determinants on the timing of the withdrawal from the labor force over the life cycle.Englisch
Export:

Optionen (nur für Redakteure)

Eintrag anzeigen Eintrag anzeigen