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Eine ökonomische Analyse des Wertes von Privatsphäre und personenbezogener Daten aus Unternehmens- und Nutzerperspektive

Wessels, Nora (2019)
Eine ökonomische Analyse des Wertes von Privatsphäre und personenbezogener Daten aus Unternehmens- und Nutzerperspektive.
Technische Universität Darmstadt
doi: 10.25534/tuprints-00009476
Dissertation, Erstveröffentlichung

Kurzbeschreibung (Abstract)

Für Unternehmen stellen die personenbezogenen Daten ihrer Nutzer und die daraus gewonnenen Informationen eine wertvolle Ressource dar. Schließlich sammeln Unternehmen die Daten ihrer Nutzer, verarbeiten diese für ihre Geschäftszwecke und verkaufen sie oft an Dritte weiter. Darüber hinaus wird der Handel mit Nutzerinformationen auch durch sogenannte Datenmarktplätze weiter vorangetrieben. Dabei werden solche Datenpraktiken, die mit der Erhebung, Verarbeitung und Kommerzialisierung großer Mengen an personenbezogenen Daten einhergehen, von Nutzern oft kritisch gesehen und führen verstärkt zu Bedenken über den Schutz ihrer Privatsphäre. Natürlich profitieren auch die Nutzer von Diensten und Produkten, die auf Daten basieren, allerdings scheinen die Vor- und Nachteile zwischen Anwender- und Anbieterseite aus Nutzerperspektive ungleich verteilt zu sein. Darüber hinaus entwickeln Nutzer ein immer größer werdendes Bewusstsein über den Wert ihrer Daten, zumindest auf abstrakter Ebene und einige fordern sogar eine klare Kompensation für ihre Datenpreisgabe. Vor diesem Hintergrund ist die Erforschung von Datenpraktiken und Geschäftsmodellen, die sowohl für die Anwender als auch für die Anbieter von Internetdiensten annehmbar sind, überaus wichtig. Schließlich sollten Datenpraktiken so gestaltet werden, dass sie die Privatsphäre der Nutzer adäquat schützen, sie sollten aber auch den Unternehmen ermöglichen, ihre Geschäftsziele zu erreichen und wettbewerbsfähig sowie profitabel zu bleiben. Die vorliegende Arbeit gliedert sich in die Literatur zur Erforschung solcher Privatsphäre-freundlicher Datenpraktiken ein, indem eine zweiseitige Analyse des Wertes von Privatsphäre und personenbezogener Daten in der digitalen Ökonomie aus der Unternehmens- und Nutzerperspektive vorgenommen wird. In dieser Arbeit wird daher zunächst aus Unternehmensperspektive untersucht, wie Organisationen mit dem Zielkonflikt zwischen ihrem Bedarf an Nutzerinformationen, der gegebenenfalls Privatsphäre-einschneidend sein kann, und ihrem Bedarf zur Gewinnung und Bindung von Kunden, die einen angemessenen Privatsphäre-Schutz fordern, einhergehen. Anschließend analysiert diese Arbeit aus Nutzerperspektive, welchen monetären Wert Individuen ihren personenbezogenen Informationen und damit ihrer Privatsphäre beimessen. Dazu wird zunächst der bisherige Stand der Forschung mit Hilfe einer strukturierten Literaturrecherche zusammengefasst und die Ergebnisse der Studien miteinander verglichen. Weiterhin wird eine Studie zur Untersuchung des Wertes von Daten aus Nutzerperspektive mit Hilfe einer neuen, vielversprechenden Messmethode, der Name-Your-Own-Price (NYOP) Auktion mit Option des wiederholten Bietens, durchgeführt. Schließlich untersucht die letzte Studie dieser Dissertation die Wertermittlung von Daten in einem natürlichen, bislang unerforschten Kontext: den Datenverkaufsplattformen. Auf diesen Plattformen können Nutzer kontrolliert Informationen, die sie zu teilen bereit sind, an ausgewählte Unternehmen verkaufen. Die zweistufige Studie untersucht dabei welche Faktoren Individuen in ihrer Bereitschaft, Daten auf solchen Plattformen zu verkaufen, beeinflussen und welche Wichtigkeiten einer Auswahl dieser Faktoren zugeschrieben werden. Somit wird in diesem Zuge auch die Nutzerakzeptanz von Datenverkaufsplattformen untersucht, die einen alternativen Datenpraktik-Ansatz darstellen können. Die Analysen dieser Arbeit zeigten dabei, dass Unternehmen durchaus Spannungen zwischen dem Umgang mit Nutzerdaten und der Privatsphäre der Individuen wahrnehmen, die durch interne und externe Belastungen noch verstärkt werden. Organisationen versuchen die gegensätzlichen Anforderungen auszugleichen, indem sie verschiedene Taktiken anwenden, um mit den negativen Auswirkungen ihrer Entscheidungen über die Erhebung und Verwendung von Nutzerdaten umzugehen. Die Untersuchungen aus Perspektive der Nutzer zeigten weiterhin, dass die Wertermittlung von Daten stark kontextabhängig ist. So haben die Methode, die zur Messung der Wertvorstellung der Individuen herangezogen wird, aber auch der Datentyp sowie weitere Untersuchungsfaktoren Einfluss auf den monetären Wert von Privatsphäre, wie die strukturierte Literaturrecherche zeigte. Mit der NYOP-Auktion konnte dabei eine Methode eingeführt werden, die es Individuen erleichtert, ihre individuelle Wertvorstellung von Daten auszudrücken und auch der Kontext von Datenverkaufsplattformen stellte sich als geeignete Forschungsumgebung heraus. Zudem zeigte sich, dass der Ansatz der Datenverkaufsplattformen aus Nutzerperspektive unter bestimmten, designtechnischen Ausgestaltungen adoptiert werden würde.

Typ des Eintrags: Dissertation
Erschienen: 2019
Autor(en): Wessels, Nora
Art des Eintrags: Erstveröffentlichung
Titel: Eine ökonomische Analyse des Wertes von Privatsphäre und personenbezogener Daten aus Unternehmens- und Nutzerperspektive
Sprache: Deutsch
Referenten: Buxmann, Prof. Dr. Peter ; Benlian, Prof. Dr. Alexander
Publikationsjahr: 16 Dezember 2019
Ort: Darmstadt
Datum der mündlichen Prüfung: 4 Juli 2019
DOI: 10.25534/tuprints-00009476
URL / URN: https://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/9476
Kurzbeschreibung (Abstract):

Für Unternehmen stellen die personenbezogenen Daten ihrer Nutzer und die daraus gewonnenen Informationen eine wertvolle Ressource dar. Schließlich sammeln Unternehmen die Daten ihrer Nutzer, verarbeiten diese für ihre Geschäftszwecke und verkaufen sie oft an Dritte weiter. Darüber hinaus wird der Handel mit Nutzerinformationen auch durch sogenannte Datenmarktplätze weiter vorangetrieben. Dabei werden solche Datenpraktiken, die mit der Erhebung, Verarbeitung und Kommerzialisierung großer Mengen an personenbezogenen Daten einhergehen, von Nutzern oft kritisch gesehen und führen verstärkt zu Bedenken über den Schutz ihrer Privatsphäre. Natürlich profitieren auch die Nutzer von Diensten und Produkten, die auf Daten basieren, allerdings scheinen die Vor- und Nachteile zwischen Anwender- und Anbieterseite aus Nutzerperspektive ungleich verteilt zu sein. Darüber hinaus entwickeln Nutzer ein immer größer werdendes Bewusstsein über den Wert ihrer Daten, zumindest auf abstrakter Ebene und einige fordern sogar eine klare Kompensation für ihre Datenpreisgabe. Vor diesem Hintergrund ist die Erforschung von Datenpraktiken und Geschäftsmodellen, die sowohl für die Anwender als auch für die Anbieter von Internetdiensten annehmbar sind, überaus wichtig. Schließlich sollten Datenpraktiken so gestaltet werden, dass sie die Privatsphäre der Nutzer adäquat schützen, sie sollten aber auch den Unternehmen ermöglichen, ihre Geschäftsziele zu erreichen und wettbewerbsfähig sowie profitabel zu bleiben. Die vorliegende Arbeit gliedert sich in die Literatur zur Erforschung solcher Privatsphäre-freundlicher Datenpraktiken ein, indem eine zweiseitige Analyse des Wertes von Privatsphäre und personenbezogener Daten in der digitalen Ökonomie aus der Unternehmens- und Nutzerperspektive vorgenommen wird. In dieser Arbeit wird daher zunächst aus Unternehmensperspektive untersucht, wie Organisationen mit dem Zielkonflikt zwischen ihrem Bedarf an Nutzerinformationen, der gegebenenfalls Privatsphäre-einschneidend sein kann, und ihrem Bedarf zur Gewinnung und Bindung von Kunden, die einen angemessenen Privatsphäre-Schutz fordern, einhergehen. Anschließend analysiert diese Arbeit aus Nutzerperspektive, welchen monetären Wert Individuen ihren personenbezogenen Informationen und damit ihrer Privatsphäre beimessen. Dazu wird zunächst der bisherige Stand der Forschung mit Hilfe einer strukturierten Literaturrecherche zusammengefasst und die Ergebnisse der Studien miteinander verglichen. Weiterhin wird eine Studie zur Untersuchung des Wertes von Daten aus Nutzerperspektive mit Hilfe einer neuen, vielversprechenden Messmethode, der Name-Your-Own-Price (NYOP) Auktion mit Option des wiederholten Bietens, durchgeführt. Schließlich untersucht die letzte Studie dieser Dissertation die Wertermittlung von Daten in einem natürlichen, bislang unerforschten Kontext: den Datenverkaufsplattformen. Auf diesen Plattformen können Nutzer kontrolliert Informationen, die sie zu teilen bereit sind, an ausgewählte Unternehmen verkaufen. Die zweistufige Studie untersucht dabei welche Faktoren Individuen in ihrer Bereitschaft, Daten auf solchen Plattformen zu verkaufen, beeinflussen und welche Wichtigkeiten einer Auswahl dieser Faktoren zugeschrieben werden. Somit wird in diesem Zuge auch die Nutzerakzeptanz von Datenverkaufsplattformen untersucht, die einen alternativen Datenpraktik-Ansatz darstellen können. Die Analysen dieser Arbeit zeigten dabei, dass Unternehmen durchaus Spannungen zwischen dem Umgang mit Nutzerdaten und der Privatsphäre der Individuen wahrnehmen, die durch interne und externe Belastungen noch verstärkt werden. Organisationen versuchen die gegensätzlichen Anforderungen auszugleichen, indem sie verschiedene Taktiken anwenden, um mit den negativen Auswirkungen ihrer Entscheidungen über die Erhebung und Verwendung von Nutzerdaten umzugehen. Die Untersuchungen aus Perspektive der Nutzer zeigten weiterhin, dass die Wertermittlung von Daten stark kontextabhängig ist. So haben die Methode, die zur Messung der Wertvorstellung der Individuen herangezogen wird, aber auch der Datentyp sowie weitere Untersuchungsfaktoren Einfluss auf den monetären Wert von Privatsphäre, wie die strukturierte Literaturrecherche zeigte. Mit der NYOP-Auktion konnte dabei eine Methode eingeführt werden, die es Individuen erleichtert, ihre individuelle Wertvorstellung von Daten auszudrücken und auch der Kontext von Datenverkaufsplattformen stellte sich als geeignete Forschungsumgebung heraus. Zudem zeigte sich, dass der Ansatz der Datenverkaufsplattformen aus Nutzerperspektive unter bestimmten, designtechnischen Ausgestaltungen adoptiert werden würde.

Alternatives oder übersetztes Abstract:
Alternatives AbstractSprache

For companies, the personal data of their users and the information gained from it represent a valuable resource. Companies collect the data of their users, process it for their business purposes, and often resell it to third parties. Additionally, the trade with user information is also driven by so-called data markets. Such data practices, which are associated with the collection, processing, and commercialization of large amounts of personal data, are often criticized by users and raise concerns about the protection of their privacy. Of course, users also benefit from data-driven services and products, but the advantages and disadvantages seem to be imbalanced between users and providers from a users’ perspective. Moreover, users are becoming increasingly aware of the value of their data, at least at the abstract level, and some even expect clear compensation for their data disclosure. Against this background, research of data practices and business models that are acceptable to both users and providers of Internet services is essential. Data practices should be designed to adequately protect the privacy of users, but should also enable companies to reach their business objectives and remain competitive and profitable. This dissertation integrates into the literature on research of such privacy-friendly data practices by providing a two-sided analysis of the value of privacy and personal data in the digital economy from an organizational and user perspective. To achieve this, this dissertation first examines from an organizational perspective how companies perceive and handle the trade-off between their need for customer information, which may lead to privacy-intrusiveness, and their need to attract and retain customers that require adequate privacy protection. Furthermore, this dissertation analyses from a user perspective what monetary value individuals assign to their personal information and, thus, to their privacy. For this purpose, first, the current state of research is summarized using a structured literature review and the results of the studies are compared with each other. Furthermore, a study is presented that investigates the value of data from the users' perspective using a new and promising measurement method, the Name-Your-Own-Price (NYOP) auction with the option of repeated bidding. Finally, the last study of this dissertation examines the valuation of data in the natural and previously unexplored context of data-selling platforms. On these platforms, users can sell information they are willing to share to selected companies in a controlled manner. The two-step study examines which factors influence individuals' willingness-to-sell data on such platforms and what importance they assign to a selection of these factors. Thus, the user acceptance of data-selling platforms, representing an alternative data practice approach, is also investigated. The analyses in this dissertation showed that companies actually perceive tensions between the handling of user data and the privacy of individuals, which are intensified by internal and external pressures. Organizations try to balance the conflicting requirements by using different tactics to deal with the negative impact of their decisions on the collection and use of user data. In addition, from a user perspective, the research showed that the valuation of data is very context-specific. Thus, the method used to measure individuals’ valuation, the type of data, and other factors have an impact on the monetary value of privacy, as the literature review revealed. The NYOP auction is a method that makes it easier for individuals to express their individual assessment of data, and the context of data-selling platforms also proved to be an appropriate research environment. In addition, it has been found that the approach of data-selling platforms would be adopted from the user's perspective under certain design conditions.

Englisch
URN: urn:nbn:de:tuda-tuprints-94763
Sachgruppe der Dewey Dezimalklassifikatin (DDC): 300 Sozialwissenschaften > 330 Wirtschaft
Fachbereich(e)/-gebiet(e): 01 Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
01 Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften > Betriebswirtschaftliche Fachgebiete
01 Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften > Betriebswirtschaftliche Fachgebiete > Fachgebiet Software Business & Information Management
Hinterlegungsdatum: 22 Dez 2019 20:56
Letzte Änderung: 22 Dez 2019 20:56
PPN:
Referenten: Buxmann, Prof. Dr. Peter ; Benlian, Prof. Dr. Alexander
Datum der mündlichen Prüfung / Verteidigung / mdl. Prüfung: 4 Juli 2019
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